Tschüss Indien, bis später

Now this is not the time or the place
for a broken-hearted,
‚cause this is the end of the rainbow
where no one can be too sad.

No I don’t wanna leave
but I must keep moving ahead
‚cause my life belongs to the other side
behind the great ocean’s waves.

Bye bye, Hollywood Hills
I’m gonna miss you, where ever I go
I’m gonna come back to walk these streets again
Bye bye, Hollywood Hills forever.

   Hollywood Hills, Sunrise Avenue

 

Wie kann ein Lied so gut beschreiben, was ich fühle. Gleichzeitig so traurig und froh.nIch will nicht weg aus Indien. Und gleichzeitig will ich nach Hause.
Die letzten Tage in Delhi waren wir Souveniers kaufen und haben nochmal unser altes Projekt besucht. Falls ir die Kinder dort irgendwann noch einmal sehen, dann werden sie wohl schon erwachsen sein. Sehr merkwürdig.
In 24 Stunden geht unser Flug. Unsere Zeit in Indien ist abgelaufen. Und obwohl ih die ganze Zeit daran denke, kann ich es mir noch nicht vorstellen. Indien soll nicht mehr da sein? Keine Rikshwa-Fahrten mehr; keine nervigen Händler; Menschen, die einen anstarren, weil man eine andere Hautfarbe hat; indisches Essen, an das ich mich so sehr gewöhnt habe; klapprige Busse; ewig lange Zugfahrten; Hitze; Schilder in Hindi; Menschen, die mich nicht verstehen und ich sie nicht; Bollywood-Musik; der chaotische Straßenverkehr; und ich weiß nicht, was noch alles. Das ist doch mein Alltag, mein Leben. Das kann doch nicht einfach aufhören.
Wir haben von mehrern Menschen den Spruch gehört: „Wer einmal in Indien war, kommt immer wieder.“ Ich verstehe das. Das kann nicht Indien für den Rest meines Lebens gewesen sein. Es reicht nicht. Auch wenn ich nicht dauerhaft hier leben wollen würde, ganz ohne geht auch nicht.
Eigentlich ist das ja eine gute Sache. Gleichzeit nach Hause und hier bleiben zu wollen. Da ist doch irgendwie alles richtig. Ich freu mich auf zu Hause. Der Abschied von Indien wird nicht einfach. Es war schön hier. Wir sehen uns in ein paar Jahren wieder, Indien.

Noch sechs Tage

Die letzten Tage haben wir uns Trivandrum angeguckt, waren nochmal baden und sind zur Suedspitze Indiens gefahren. Ich mag es hier. Landschaftlich ist Keraa definitiv der schoenste Bundesstaat in Indien von denen, die ich gesehen habe. Morgen fliegen wir nach Delhi zurueck, besuchen dort nochmal unser altes Projekt und kaufen Souveniers.
Ich freu mich darauf, bald zu Hause zu sein und alle meine Lieben wieder um mich zu haben. Seit Wochen zaehle ich die Tage runter und es gab Momente auf dieser Reise, da haette ich liebend gerne fuer Jetzt Gleich ein Rueckflugticket gehabt. Aber je naeher der Abflug rueckt, um so trauriger werde ich. Ich will nicht, dass diese Reise zu Ende geht, ich will Indien ncht verlassen.
Die Maenner in ihren Dhotis, die Frauen in ihren Saris. Die Rikshaw-Fahrten. Die klapprigen Busse und Zuege. Das indische Essen. Und noch so viel mehr. Unsere letzten Bus- und Zugfahrten haben wir schon hinter uns. Ein komisches Gefuehl, das letzte Mal auszusteigen. Es wird viele letzte Male geben in der naechsten Zeit.

Eine Menge Wasser

So, ich melde mich auch Mal wieder. Die letzten Tage hatten wir leider kein Internet, deshalb ging das nicht. Unser Hotel hier hat leider auch hier kein Internet, ich sitze gerade in einem Internetcafe. Englishe Tastaturen nerven. Mir war vorher nicht klar, wie oft man ae, oe , ue und sz benutzt.

Wir haben eine Kanutour durch die Backwaters gemacht. Die Backwaters sind ein Netz aus unzaehligen Fluessen und Kanaelen. Leider fahren so viele Hausboote, dass von der ruhigen Atmosphaere oft nicht viel uebrig bleibt. Trotzdem war es sehr schoen. Am Ufer stehen Palmen und kleine Haeuser, im Wassser stehen Frauen voll bekleidet und waschen sich oder Waesche. Ein Mann steht am Ufer und fischt mit Pfeil und Bogen. Erstaunlicherweise funktioniert das ziemlich gut.
Wir sehen uns ein Dorf am Weg an. Es ist umgeben von abgeernteten Reisfeldern, die noch immer unter Wasser stehen. Obwohl wir doch beide Abitur haben, wussten wir nicht, wie Reispflanzen aussehen. Unser Kanufahrer erklaert uns, dass das Dorf waehrend des Monsuns regelmaessig ueberflutet wird und die Leute dann alle in der nahegelegenen Schule schlafen und vom Staat Essen bekommen.
Am Flussufer sehen wir eine Steintafel, auf der ein Bild von lenin abgebildet ist. Das mit dem Kommunismus ist doch ein bisschen komisch.
Im Wasser schwimmt sehr viel Muell. Ich verstehe die Inder nicht, dass ihnen das anscheinend egal ist. Sie muessen doch sehen, dass es so viel haesslicher wird. Warum schmeissen sie trotzdem ihren Muell einfach dahin, wo sie gerade stehen? Wie kann einen dieser Dreck nicht stoeren?

Die letzten Tage waren wir in Varkala. Der Reisefuehrer empfielt Varkala wegen eines beruehmten Hindu-Tempels. Die Hindus fahren hierher, um die Asche ihrer Toten ins Meer zu streuen. Der tempel ist nett, aber nicht besonders spektakulaer. Die Bestattungszeremonien sind interessant, aber auch relativ undurchsichtig. Was an Varkala aber wirklich schoen ist, ist das Meer. Direkt hinter dem Strand ragen hohe Klippen aus roten felsen steil auf. Das Meer ist sehr viel wilder als in Goa. Schoen sehen die brechenden Wellen aus. Jeden Abend regnet es jetzt. Das Meer wird wild und bedrohlich, ganz dunkel. Es regnet doll. Ich haette ja gesagt, dass muss Monsun sein, aber der sollte eigentlich erst in einem Monat anfangen.

Heute sind wir weiter nach Trivandrum gefahren. Trivandrum heisst eigentlich Thiruvananthapuram und ausnahmsweise verstehe ich, warum die Englaender die Stadt umbenannt haben. Es regnet schon den ganzen Tag. Natuerlich ist der Regen genau als wir aus dem Zug gestiegen sind erst wirklich doll gefunden. Und natuerlich sind auch genau heute alle Hotels belegt. Normalerweise hatten wir nie ein Problem, heute hatte erst das sechste Hotel ein Zimmer fuer uns.
Der regen war wirklich cshlim. Die Strasse war ein Fluss. Ueber 20 cm hoch Stand das Wasser. Ekliges, dreckiges, schlammiges Wasser. Besser nicht darueber nachdenken, wodurch wir da laufen. Das Abwassersystem hier koennte schon noch besser sein. Mittlerweile hat der Regen fast aufgehoert und die Starsse ist auch wieder normal befahrbar.

Do, 1.5. Back to Reality

Wir haben Goa jetzt doch mal verlassen und sind nach Kerala weitergereist. Es ist schön, wieder in Indien zu sein. Goa ist zwar offiziell Indien, aber so richtig viel merkt man davon nicht. Vor allem, wenn man nur am Strand rumliegt. Was auch sehr schön war; aber es ist gut, wieder zurück zu sein. Wenn ich Indien schon vermisse, während ich noch da bin, wie soll das erst werden, wenn ich wieder zu Hause bin? Trotzdem, ich freue mich schon sehr auf zu Hause.
Die 17 Stunden Zugfahrt haben wir diesmal in einem klimatisierten Abteil verbracht. Sehr angenehm. Auf der Zugfahrt hatten wir auch ein kleines Abenteuer. Ich bin an einer Station ausgestiegen, um Trinken zu kaufen. Das kann man normalerweise ganz gut machen, weil die Züge so lange halten. Diesmal ist der Zug aber schon wieder angefahren. Glücklicherweise fahren Züge in Indien sehr langsam und mit geöffneten Türen. Ich bin also auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Ich finde, das ist etwas, was man mal getan haben solle. Leider bekommt man dazu in Deutschland keine Chance. Das einzige Problem war, dass ich leider nicht in unserm Abteil gelandet bin. Da der Durchgang verschlossen war, musste Darleen die zwanzig Minuten bis zum nächsten Halt hoffen, dass ich nicht noch am Bahnhof stehe.

Kerala ist schön. Sehr grün. Überall Palmen. Kerala bedeutet Land der Kokosnuss. Und jede Menge Wasser. Kerala hat sehr viel Küste und unzählige Flüsse und Seen. Kochi, die Stadt in der wir jetzt sind, liegt quasi im Wasser. Viele einzelne Inseln, die durch Fähren miteinander verbunden sind.
Kerala hat eine interessante Geschichte. Es war erst portugiesisch, dann holländisch, dann britisch. Heute wird Kerala von einer demokratisch gewählten kommunistischen Partei regiert und ist damit der wohlhabendste Bundesstaat Indiens mit der höchsten Alphabetisierungsquote. Das finde ich sehr interessant und irgendwie nett zu sehen.
Heute haben wir sehr viel Sightseeing gemacht. Unter anderem zwei hässliche Kirchen und eine Synagoge. Irgendwie merkwürdig, dass ich ausgerechnet in Indien das erste Mal in eine Synagoge gehe. Vor allem aber haben wir uns Kathakali, das traditionelle kerallische Tanztheater angesehen. Allerdings nur die gekürzte Touristenversion. Die echten Aufführungen dauern die ganze Nacht.
Beim Kathakali schminkt sich der Tänzer das ganze Gesicht sehr stark in bunten Farben und verkleidet sich dann. Aufgeführt werden Geschichten aus heiligen Hindu-Texten. Auftreten ist nur Männern erlaubt. Die Vorstellung besteht doch aus sehr viel weniger Tanz, als ich gedacht hätte. Unter Tanzen hatte ich mir Bewegung vorgestellt. Stattdessen ist es eher so eine Art Pantomime zum Rhythmus der Trommeln. Mit sehr starker Mimik. Nur durch die Mimik und Gestik können die Tänzer tatsächlich ganze Geschichten erzählen.

Ja, wir leben noch

Wir sind immer noch in Goa. Nicht besonders aufregend, aber sehr schön. Ich habe das Gefühl, mit jedem Tag, den wir hier sind, wir es heißer. Was vielleicht stimmt. Direkt am Strand weht ein angenehmer Wind, aber weiter als 30 Meter sollte man nicht vom Wasser weg sein.
Gestern Abend waren wir zufällig in einem Restaurant, wo Karaokeabend war. Das Publikum: Reiche Mittelklasse-Inder, die anscheinend im Ort wohnen. Jeder kennt jeden. Der Moderator spricht Englisch komplett ohne indischen Akzent. Eher mit amerikanischem. Sehr ungewöhnlich. Er beschwert sich darüber, dass zu wenig applaudiert wird: „Nobody is clapping tonight, yaar“, sagt er mit einem nachgemachten indischen Akzent und grinst dabei breit. Ein Inder, der sich über den indischen Akzent lustig macht. Das war ziemlich witzig.
Generell habe ich hier in Goa schon sehr viele Familien gesehen, die nur oder fast nur in Englisch miteinander reden. Das fühlt sich irgendwie falsch an. Ich bin daran gewöhnt, sie nicht zu verstehen. Und außerdem tut es mir um die indischen Sprachen leid.
Man merkt Goa an, dass es lange Zeit portugiesisch war. Die Leute sind Christen und tragen Kreuzkettchen, und viele ältere Frauen tragen statt indischer Kleidung knielange Kleider, in denen sie sehr südeuropäisch aussehen.

Willkommen im Paradies

Blaues Meer und Sandstrand, soweit das Auge reicht. Goa. Das Urlaubsgebiet Indiens. Hier treffen die Mittelklasse-Inder auf westliche Touristen in Badehosen und Bikinis. In Indien doch ein ungewohnter Anblick.
Uns gefällt es. Wir liegen den ganzen Tag am Strand, lesen, gehen baden und entspannen uns. Genießen es, nicht das Gefühl zu haben, immer etwas tun zu müssen. Nicht alle paar Tage den Rucksack neu packen zu müssen. Urlaub von Indien, Urlaub vom herumreisen. Genau das, was wir gerade brauchen. Indien ist schön, aber es ist auch anstrengend.
Hier ist das anstrengendste, den Strandverkäufern zum hundertsten Mal zu erklären, dass man keine Tücher, keine DVDs und auch keine Henna-Tattoos möchte. Und natürlich die schwierige Frage, was man denn zum Abendessen möchte. Der Nachteil in Goa ist, dass es viel weniger vegetarisches Essen gibt als im Rest von Indien. Goa war ewig eine portugiesische Kolonie, viele Inder hier sind Christen und die westlichen Touristen sind ja in der Regel auch keine Vegetarier. Man kann nicht alles haben.
Wir wohnen in einer Bambus-Hütte direkt am Strand. Die Wände der Hütte sind sehr dünn (man kann fast durchgucken). Beim Einschlafen hören wir den Ventilator, die Stimmen unserer Nachbarn und das Rauschen des Ozeans. Abends genießen wir die Sonnenuntergänge über dem Meer. Ja doch, es lässt sich hier sehr gut leben.

„You want to buy ballon?“

Wir sind jetzt zum ersten Mal in den Tropen. Zwanzig Grad oder so vom Äquator. In Mumbai. Hier ist es sogar kälter als in Rajastan. Nur 33 Grad statt 40. Dafür ist die Luftfeuchtigkeit viel zu hoch. Es kommt einem definitiv nicht kälter vor.
Ansonsten ist Mumbai aber eigentlich ganz nett. Ich weiß nicht, was alle Menschen immer gegen indische Großstädte haben. Wir gucken uns die Sehenswürdigkeiten an. Hier spielt Shantaram. Habt ihr das Buch gelesen? Wenn nicht, unbedingt machen. Eines der besten Bücher die ich je gelesen habe, spielt in Indien und ist auch noch eine wahre Geschichte.
Was ich außerdem an Mumbai mag ist, dass die Leute einem hier viel lustigere Dinge verkaufen wollen als in Rajastan. Dort gab es schöne Decken, Schmuck und sowas. Hier wollen einem die Leute riesige Luftballons und Weltkarten verkaufen. Das nervt zwar auch, aber man kann besser darüber lachen. Was genau soll ich jetzt mit einer zwei Mal zwei Meter Weltkarte? Oder einem Riesenluftballon? Was denken sich die Verkäufer dabei? Wer kauft das? Wie kann man damit Geld verdienen? Aber genau das denke ich mir auch immer bei den Eisverkäufern. Ihr Eis bewahren sie ungekühlt in irgendwelchen Eimern auf. Es müsste also schmelzen und wird wahrscheinlich auch schnell schlecht. Jedes Mal frage ich mich, wer das kauft. Und jedes Mal kommt dann irgendein Inder an und tut das.
Außerdem ist Mumbai ziemlich teuer und verwestlicht. Man bekommt hier alles, was es zu Hause auch gibt. Und hier laufen viele Inderinnen in wirklich kurzen Hosen rum. Oder Jeans. Wie auch immer man das bei der Hitze aushält. Daneben Frauen in Burka. Sind also doch nicht alle Leute so verwestlicht. Aber an den Anblick von Frauen in kurzen Hosen und Tops bin ich wirklich nicht mehr gewöhnt. Ich werde einen Kulturschock bekommen, wenn ich nach Hause komme.