Abschied

Heute war der letzte Tag in unserem Projekt in Delhi. Morgen Abend geht es weiter nach Palampur. Der Abschied heute war wirklich traurig. Allen Kinder Tschüss sagen zu müssen. Es war zum heulen. Sabina, das Mädchen, das uns damals die Ohrringe geschenkt hat, hat uns heute einen wunderschönen Ring geschenkt. Und eines meiner Liebslingskinder, Mohit, ein kleiner, immer gut gelaunter Junge, war heute nicht da, sodass ich ihm nicht Tschüss sagen konnte. Bevor wir im Mai zurück nach Deutschland fliegen sind wir nochmal ein paar Tage in Delhi, dann müssen wir die Kinder unbedingt besuchen. Und trotzdem ist es einfach nur traurig.
Das war auch ein Grund, warum ich die Freiwilligenarbeit eigentlich nicht auf zwei Plätze aufteilen wollte. Das war auch nicht unsere Idee, sondern die unserer Organisation. Warum die uns das vorschlagen verstehe ich nicht, denn eigentlich sind Leute, die irgendwo langfristig arbeiten ja besser. Auf jeden Fall haben wir uns darauf eingelassen. Und ich bin froh darüber. Es war eine super Zeit in Delhi, ich liebe die Kinder hier und habe eine Menge tolle Sachen erlebt. Aber sich zweimal verabschieden zu müssen ist einfach zu hart. Vor allem, weil wir keine Chance haben, irgendwie mit den Kindern in Kontakt zu bleiben, zu wissen, was aus ihnen wird.
Morgen müssen wir packen und abends fahren wir dann mit dem Bus nach Palampur. Das ist eine kleine Stadt im Norden von Indien, wo wir die nächsten zehn Wochen arbeiten werden. Unser Busticket konnten wir ganz problemlos online buchen. Hoffen wir mal, dass die Fahrt genauso gut verläuft. Sosehr ich traurig bin, hier wegzugehen, ich freue mich auch auf Palampur. Ich hoffe, dass es dort mehr Natur und frische Luft gibt und besseres Essen. Dafür soll das Internet dort schlechter sein als hier. Wir werden sehen.

Ein ganz normaler Tag

Die letzten Tage war nicht so viel los. Alina und Selina sind weg, dafür sind vier neue Leute hier. Das hat unsere tägliche Routine ganz schön durcheinander gebracht. Wer wann aufsteht, ins Bad geht und so weiter. Ich probiere trotzdem, euch meinen Tagesablauf mal zu beschreiben.
Irgendwann zwischen acht und halb neun stehen wir alle auf, weil es um halb neun Frühstück gibt. Porridge und irgendwelches Brot. Das Frühstück müssen wir zwischendurch immer wieder unterbrechen um unsere Wasserflaschen am Filter aufzufüllen. Solange der Filter an ist läuft immer eine nervige Hintergrundmusik. Keine Ahnung, wie Rajiv und Priya diese Musik nach ein paar Jahren immer noch ertragen können. Gestern war übrigens der Höhepunkt an Unwissenheit. Wir haben Rajiv gefragt, ob wir zwei Löffel haben können, weil auf dem Tisch nicht genug lagen. Und er wusste nicht, wo in seiner Küche Löffel sind. Nachdem er dort vermutlich seit 30 Jahren wohnt. Aber selbst wenn es drei Wochen wären. Wie kann man so etwas nicht wissen?
Dann müssen wir uns beeilen uns fertig zu machen, denn um halb zehn müssen wir losgehen, damit wir um zehn Uhr in unserem Projekt sind. Von zehn bis elf Uhr unterrichten wir dort die Kinder von neun bis elf Jahren. Was im Wesentlichen heißt, sie lesen uns Texte aus ihren Schulbüchern vor, die sie nicht verstehen. Wir haben in dem Raum leider auch keine Tafel, was den Unterricht auch nicht einfacher macht.
Von elf bis zwölf Uhr unterhalten wir uns mit Raoul, dem Mathestudenten der auch in unserem Projekt arbeitet. Dabei will er vor allem seine Aussprache in Englisch verbessern. Vor ein paar Tagen ist er aber auch die lustige Idee gekommen, Deutsch zu lernen. Wahrscheinlich, weil wir ihm erzählt haben, dass man als Mathematiker in Deutschland gute Jobaussichten hat. In Indien kann man anscheinend nur Lehrer werden.
Jemandem Deutsch beizubringen ist wirklich lustig. Ist mal jemandem aufgefallen, dass wirklich alle Verben in mindestens einer Zeit irgendwie unregelmäßig sind? Und das Artikel völlig verrückt sind? Und mit Pluralformen haben wir noch nicht mal angefangen. Wie kann man das lernen?
Außerdem würde ich Raoul auch nicht empfehlen, nach Deutschland zu gehen. Er würde einen riesigen Kulturschock bekommen. Er erzählt uns zum Beispiel immer, er will keine Freundin haben, weil die Mädchen in Delhi alle so schlimm sind. Die würden alle fremdgehen und flirten und was weiß ich alles. Und jetzt stelle ich mir vor, was er denkt, wenn er Deutsche Mädchen im Sommer in Hotpants rumlaufen und mit Jungs reden sieht. Und vielleicht rauchen sie auch noch und trinken Alkohol. Das geht nämlich auch gar nicht. Weder für Mädchen, noch für Jungs. Er würde komplett durchdrehen.
Um zwölf Uhr haben wir Mittagspause. Endlich. Obwohl wir erst zwei Stunden da sind, ist das echt anstrengend. Sowohl die Kinder als auch Raoul. Zum Mittagessen gehen wir immer in ein sehr leckeres Restaurant ganz in der Nähe unserer Schule. Um eins haben wir dann aufgegessen, brauchen aber definitiv noch länger Pause, die meisten Kinder kommen eh erst um zwei wieder. Also bestellen wir noch einen Chai oder ein Stück Kuchen, der ist dort wirklich sehr gut.
Um zwanzig vor zwei sind wir normalerweise zurück und nach und nach kommen auch die Kinder. Nachmittags unterrichten wir die sechs- bis achtjährigen. Oder zumindest sollten wir das. Tatsächlich sind sehr viele Kinder erst vier Jahre alt. Oft, weil sie die kleinen Geschwister von irgendwem sind, manche kommen aber auch alleine.
Nachmittags haben wir eine Tafel, wir können also ein bisschen was anschreiben, was die Kinder abmalen. Die meiste Zeit verbringen wir aber damit, den Kindern Tiere in ihre Hefte zu malen. Sie schreiben den Namen daneben und malen dann aus. Nicht unbedingt der effektivste Unterricht, aber ein bisschen lernen sie dabei schon. Und Mathe machen wir auch. Wobei wir Kinder haben, die die ganze Zeit immer neue Aufgaben wollen und andere, denen sogar das Buchstabieren der Tiere zu schwer ist. Um vier Uhr haben wir dann endlich Schluss. Obwohl wir ja wirklich nicht besonders lange arbeiten sind wir am Ende jedes Mal total fertig. Die Kinder sind wirklich süß, aber auch ziemlich anstrengend.
Um sechs Uhr bekommen wir Abendessen. Keine Ahnung, warum so früh, eigentlich isst man in Indien auch eher spät, acht oder neun Uhr. Im Prinzip gibt es jeden Abend das Gleiche: Reis mit Dal und Fladenbrot. Und irgendwelches Gemüse. Der Reis ist ok. Dal ist ein Linsenbrei. Das kann sehr lecker sein. Wenn es nicht schon kalt ist und quasi nur aus Wasser besteht. Was leider deutlich zu oft vorkommt. Manchmal ist das Dal auch sehr gut, aber naja, es ist eben immer Dal. Mal mehr und mal weniger gut. Das Brot wäre auch sehr gut, wenn es warm und nicht kalt und trocken wäre. Das ist genau wie mit dem Dal Glückssache. Mit dem Gemüse das Gleiche. Manchmal ist es wirklich lecker. Aber manchmal ist es irgendwelcher Kohl (was ich leider eh nicht mag) in Masala. Masala ist einfach eine Gewürzmischung. Das kann lecker sein, aber das Masala hier ist nicht das Beste und wir nennen das Gemüse dann einfach gelb. Und es schmeckt auch Gelb. Und ich weiß nicht, wo genau die Vitamine im Essen sind. Aber zumindest um Kohlenhydratmangel mache ich mir keine Sorgen. Reis mit Brot und Dal. Das sollte reichen.
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: So schlimm ist das Essen nicht, an manchen Tagen ist es sogar richtig lecker. An anderen halt nicht, aber essbar ist es schon. Und außerdem haben wir ja jeden Tag leckeres Mittagessen.
Das ist also mein Tagesablauf. Und in ein paar Tagen gehen wir nach Palampur und diese Routine wird vorbei sein.

Full House

Heute Morgen habe um elf haben wir erfahren, dass in einer Stunde drei neue Freiwillige aus den USA kommen. Das hätte man uns natürlich auch nicht früher sagen können. Allerdings hat Rajiv das auch den Leuten, die für Volunteering Solution arbeiten, erst heute Morgen gesagt. Und heute Nachmittag haben wir erfahren, dass abends noch eine weitere Freiwillige kommt. Was morgens natürlich auch noch nicht klar war. Die Amerikanerinnen kommen aus LA und haben gerade ihre Ausbildungen zur Krankenschwester abgeschlossen und die andere Freiwillige kommt aus der Schweiz. Zwar aus dem italienischsprachigen Teil, aber da ihre Eltern aus dem deutschsprachigen Teil kommen spricht sie fließend Deutsch, soviel ich das nach den paar Sätzen sagen kann, die wir bis jetzt geredet haben. Das ist ganz schön, denn die ganze Zeit Englisch zu sprechen ist doch irgendwie anstrengend.
Heute haben wir Tagsüber nicht besonders viel gemacht. Das liegt aber auch daran, dass in Indien alle Läden erst um elf Uhr öffnen. Also kann man vorher auch nicht Frühstücken. Und bis man dann fertig ist, ist der halbe Tag vorbei.
Abends waren wir dafür im Iskon-Tempel. In unserer ersten Woche hier hat Dheeraj uns erzählt, wir sollen dort unbedingt hingehen, aber bisher hatten wir nie Zeit dafür. Denn man muss dort abends hingehen, wenn „Prayer Time“ ist. Und ich verstehe, warum Dheeraj uns erklärt hat, wir müssten dort unbedingt hingehen. Es ist wirklich eine ganz besondere Erfahrung. Die Menschen sitzen in einem großen Raum auf dem Teppichboden. In der Mitte sitzen Musiker und ein Sänger. Männer tanzen im Kreis. Sie drehen sich schnell, bringen Freude zum Ausdruck. Einige tragen traditionelle indische Kleidung, ganz in weiß, andere Jeans und T-Shirt. Wir setzten uns auch auf den Boden. Die Menschen um uns herum beginnen, im Takt der Musik zu klatschen. Eine klatschende Menschenmenge übt eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Man klatscht ganz automatisch mit.
Noch immer spielen die Musiker, tanzen die Tänzer, singt der Sänger. Einige Frauen fangen auch an zu tanzen, die Menschen singen mit, antworten dem Sänger. Alle sind fröhlich, ausgelassen und trotzdem spirituell. Eine Erfahrung, die sich kaum richtig beschreiben lässt, wenn man es nicht selbst gesehen hat.

Ein Gebäude, das man gesehen haben muss

Gestern sind wir nach Agra gefahren. Das Taj Mahal und das Agra Fort sehen. Wir, das sind Erika, Alina, Darleen und ich. Selina ist Freitagabend nach Hause geflogen. So ganz daran gewöhnt, dass sie weg ist, haben wir uns noch nicht.
Nach Agra gekommen sind wir mit einem Fahrer. Die Straße nach Agra ist sehr gut und überraschend leer. Ist aber auch ein „Expressway“, für den man extra zahlen muss. Neben der Straße erstreckt sich flache Landschaft mit unzähligen kleinen Feldern. Dazwischen verstreut stehen einzelne Strohhütten. Wie schafft man es, ein Haus komplett aus Stroh zu bauen? Wieso steht das und sackt nicht einfach in sich zusammen? Und wie viele Leute wohnen wohl in so einem Haus? Einmal sehen wir, wie Ziegelsteine hergestellt werden. Alle mit der Hand unter freiem Himmel.
Und dann sind wir in Agra. Hier gibt es im Gegensatz zu Delhi überall Kühe, die durch die Straßen laufen. Und Affen. Und noch mehr nervige Verkäufer. Jeder erzählt einem, für nur 100 Rupien würde er einen durch das Taj Mahal führen und einem ein Ticket kaufen und dafür sorgen, dass man nicht eine Stunde anstehen muss bis man nach drinnen kann. Also wir haben ungefähr zehn Minuten gewartet.
An der Sicherheitskontrolle gab es aber ein Problem. (Die Sicherheitskontrollen gibt es überall in Indien, das ist ungefähr so, wie am Flughafen). Darleen darf Harvey nicht mit reinnehmen. Wer Harvey nicht kennt: Das ist Darleens Stoffkuscheltier, ein Pferd, mit dem sie überall Fotos macht. Man darf so viele Wasserflaschen wie man möchte mit reinnehmen, aber ein Kuscheltier geht auf gar keinen Fall. Dabei wurde Harvey sogar durchleuchtet, man kann ihn anfassen und sehen, dass keine Bombe drin ist. Etwas albern. Darleen ist kurz davor, die Sicherheitsmenschen anzuschreien. Aber nichts hilft, wir müssen ihn dalassen und nachher wieder abholen.
Dann gehen wir ohne Harvey weiter. Gerade unterhalten wir uns noch, und plötzlich sagen wir nur noch „Wow“. Durch einen Torbogen sehen wir das Taj Mahal. Es ist riesig, und es ist komplett weiß. Wenn man näher herankommt blendet es richtig. Man will nicht wissen, wie viel Geld und Arbeit darin steckt. So viel Marmor. Und darin so viele aufwändige und filigrane Schnitzereien. Wow. Und dann kommen Inder an und fragen, ob sie ein Foto mit uns machen können. „Ihr steht vor dem Taj Mahal“, will ich sie am liebsten anschreien. „Einem der sieben Weltwunder. Macht davon Fotos und nicht von uns.“ Aber wir stellen uns natürlich hin und lächeln brav.
Als wir Harvey unbeschadet zurückbekommen haben essen wir erstmal Mittag. Da das Restaurant direkt neben dem Taj Mahal liegt ist das Essen teurer. Aber es gibt Salat. Ok, mein Tomatensalat entpuppt sich als Tomatenscheiben. Auf Nachfrage bekomme ich zumindest Olivenöl dazu. Aber allein die Tatsache, dass es rohes Gemüse ist, verbessert meine Laune erheblich. Denn das bekommt man hier einfach nie. Weil man auch einfach immer Angst hat, dass es schlecht sein könnte. Und wer mal vier Wochen lang nur weichgekochtes Gemüse und als Obst quasi nur Bananen gegessen hat versteht vielleicht, wie ich mich Gefühlt habe als ich plötzlich einen ganzen Teller Tomaten hatte.
Danach sehen wir uns das Agra Fort an. Es ist dem Red Fort in Delhi sehr ähnlich, nur kleiner. Kein Wunder, das Fort in Delhi wurde ja auch nach dem Agra Fort gebaut. Das Fort ist auch ein wirklich beeindruckendes Gebäude. Und von einer Stelle hat man einen wunderbaren Blick auf das Taj Mahal. Als wir probieren, Fotos zu machen, stellen wir fest, dass das Taj Mahal kaum zu sehen ist. Obwohl man es gut erkennt, wenn man hinübersieht. Das muss am Smog liegen, den es auch in Agra gibt.
Danach wollten wir uns eigentlich noch eine Moschee ansehen, entscheiden uns aber dagegen, da wir nicht zu spät zurück in Delhi sein wollen und wir uns außerdem die halbe Stunde Fußweg zur Moschee ersparen wollen. Also geht es zurück nach Delhi. Wir sind alle ziemlich fertig, da wir morgens um sechs Uhr aufgestanden sind, und ich hab außerdem ziemlich starke Kopfschmerzen. Aber der Tag hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Taj Mahal ist einfach ein einmaliger Anblick.

Do, 21.11. Abendessen bei Sikhs

Die letzten beiden Tage hatte ich wirklich das Gefühl, dass wir den Kindern richtig was beigebracht haben. Die Kinder morgens waren sehr konzentriert und wir haben ihnen viele neue Vokabeln beigebracht. Das ist immer etwas schwierig, weil es in dem Klassenraum morgens keine Tafel gibt. Wir müssen also alles vormachen. Aber bei so Gegensätzen wie groß – klein, warm – kalt geht das ja ganz gut.
Nachmittags waren gestern nur acht Kinder statt der üblichen 15 bis 20 da. Keine Ahnung, wo die anderen alle waren, aber es war echt entspannt. Mit so wenigen Kindern kann man jeden einzelnen richtig was beibringen. Und trotzdem mit den ganz kleinen ein bisschen spielen.
Und heute Abend waren wir bei einem Sikh zum Essen eingeladen. Alina und Selina haben ihn in Old Delhi getroffen, und er hat sie einfach zum Essen eingeladen. Das ist Indien. Einfach mal Leute, die man überhaupt nicht kennt zu sich nach Hause einladen. Und klar können auch noch drei Leute mehr mitkommen.
Und wir nehmen diese Einladung dann auch noch einfach an. Was wirklich komisch war, denn ich zumindest hatte den Menschen ja noch nie vorher gesehen. Aber er war echt super nett. Er ist 42, arbeitet als Trommler, seine Frau ist 34 und sie haben zwei Söhne die 14 und elf sind. Das Essen war sehr lecker. Und wir haben mit ihm über alles Mögliche geredet. Zum Beispiel übers Heiraten. Darüber reden Inder auch gerne, weil sie sich das von uns irgendwie gar nicht vorstellen können. Er war zum Beispiel der Meinung, dass eine Frau bei der Hochzeit nicht älter als 22 sein sollte und der Mann nicht älter als 25. Eine Frau war bei der Hochzeit 17 und er 25 und es war eine Liebesheirat. Er hat auch etwas komische Sachen gesagt wie zum Beispiel, dass der Mann der Frau ja etwas überlegen ist. Also nur körperlich, fügt er hinzu. Ja ok, warum auch immer er uns das erzählt. Aber seine Frau wirkte auf jeden Fall selbstbewusst und ihm kein bisschen unterlegen.
Als wir ins Haus gekommen sind haben sie uns Blumenketten umgehängt. Und zum Abschied haben wir jeder einen schlichten Metallarmreifen bekommen. Der soll einen beschützen. Aber das funktioniert nur, wenn man ihn geschenkt bekommt. Und Wir haben auch noch eine Kette bekommen, an der das Zeichen der Sikhs hängt. Die haben auch alle Sikhs und sie soll einen auch beschützen. Fand ich total lieb. Es war wirklich ein schöner Abend und eine super Erfahrung.

Chaos und Fotos und ein Gefühl von zu Hause

Das Internet ging die letzten Tage leider gar nicht, deshalb gibt es heute gleich drei Artikel auf einmal.
Heute hat der Unterricht bei uns nicht viel Sinn gehabt. Alina und Selina haben sich heute unser Projekt angeschaut und Erika war auch mit. Vor mittags war Erika bei den ganz kleinen Kinder, die wir an unseren ersten Tagen auch hatten. Sie meinte allerdings auch, dass sie es schwierig fand, denen etwas beizubringen. Nachmittags bei den älteren fand sie es genau wie wir besser.
Alina und Selina waren mit uns mit. Die Kinder waren etwas überdreht, weil plötzlich noch mehr Menschen da waren, sodass das mit dem Unterricht etwas schwierig war. Außerdem hatte eines der Kinder eine Schere, die im Zickzack ausschneidet. Alle Kinder fanden diese Schere super und wollten etwas zerschneiden. Dementsprechend sah der Boden danach auch aus.
Außerdem haben wir den Kindern Fotos gegeben. Die Fotos, die wir von den Kindern hatten haben wir entwickeln lassen, damit jedes Kind ein Foto von sich hat. Allerdings hatten wir nicht von allen Fotos, sodass wir nochmal welche gemacht haben, die wir dann wieder entwickeln lassen müssen. Fotos machen ist immer eine anstrengende Sache. Es ist nicht leicht, die Kinder dazu zu bekommen still zu stehen, weil immer mehr Kinder ins Foto rennen. Das ist auch blöd, wenn man die Fotos verteilen will und dann auf einem Foto so viele drauf sind. Außerdem stellen viele sich immer so hin, dass man gegen das Licht fotografieren muss. Und sie verstehen es auch nicht, wenn man probiert, es zu erklären.
Interessant war auf jeden Fall, unser Projekt mit dem von Alina und Selina zu vergleichen. Alina sagt, ihr würde die Playing Time fehlen, in der man nur mit den Kindern spielt statt zu unterrichten. Das verstehe ich, das macht wirklich Spaß. Andererseits hätte ich immer das Gefühl, dass die Kinder dann nicht genug lernen. Ich habe wirklich das Gefühl, bei uns können sie mehr. Aber vielleicht täuscht das wirklich. Dafür können bei Alina und Selina die Betreuer deutlich besser Englisch. Bei uns ist es wirklich etwas mühsam. Ihr Akzent ist sehr merkwürdig für uns und wenn wir etwas sagen verstehen sie es meistens auch erst beim dritten Mal, wenn überhaupt. Bei Alina und Selina konnten wir uns mit den Betreuern sehr gut unterhalten, das war wirklich besser. Vor allem weil die Betreuer bei uns den Kindern dann natürlich auch nicht das beste Englisch beibringen können. Und trotzdem mag ich es bei uns irgendwie lieber. Heute Morgen hatte ich richtig ein bisschen das Gefühl, nach Hause zu kommen. Tausende Kilometer von zu Hause weg. Es sind die Kinder. Die sich immer freuen, einen zu sehen, winken, angerannt kommen sobald sie uns sehen.

Mo, 18.11. Mal was anderes sehen

Heute haben wir das Projekt besucht, in dem Alina und Selina arbeiten. Es ist doch deutlich anders als unsers. Unser Projekt hat drei verschiedene Räume, deren nur einen. Das macht es natürlich etwas schwieriger, da die Kinder zwischen vier und 15 Jahren alt sind. Die kleinsten können noch nicht einmal das ABC, aber welches Kind kann das mit vier schon?
Außerdem ist bei denen nicht wie bei uns die ganze Zeit Unterricht. Nachmittags ist playing time, in der irgendwelche lustigen Spiele gespielt werden. Die Kinder erwarten das auch und spielen viel mehr mit uns. In unserem Projekt sitzen wir auf Stühlen, hier mit den Kindern zusammen auf dem Boden. Und dauernd kommen Kinder an und krabbeln auf einem rum. Das ist wirklich süß. Die Kinder bei Alina und Selina nennen uns auch nicht Ma’am sondern Didi (Schwester). Das ist auch ganz schön. Und mit den Kindern zu spielen macht wirklich Spaß.
Aber ich habe das Gefühl, in unserem Projekt lernen die Kinder besser und können schon mehr. Vielleicht täuscht das, weil ich heute mehr mit den kleinen Kindern gemacht habe, aber es kam mir so vor. Generell gefällt mir unser Projekt irgendwie besser, ich weiß nicht genau warum. Aber das ist ja gut so.
Was allerdings bei Alina und Selina besser ist, ist, dass die Kinder dort Mittagessen bekommen. Es ist zwar nur Reis mit Etwas Linsen oder Bohnen, aber es macht satt und es ist auch wirklich genug für alle da. Das sollte es bei uns auch geben, viele Kinder hätten das nötig.
Morgen besuchen Alina und Selina unser Projekt. Erika, die Schwedin, kommt auch in dieses Projekt, wir werden morgen also wirklich viele sein.